Gute Arbeit in unseren Kindertagesstätten braucht gute gesetzliche Rahmenbedingungen. Deshalb werden wir protestieren: Für ein zeitgemäßes Kita-Gesetz. Immer donnerstags im Juli. Wir laden Sie ein: kommen Sie fünf Minuten dazu.

Liebe Eltern,

die überarbeitete Fassung des Niedersächsischen Kindertagesstättengesetzes (NKiTaG) ist noch nicht der große Wurf. Wir warten seit Jahren auf Verbesserungen, die den heutigen Lebenswirklichkeiten von Familien und dem Wissen über gute Bildung gerecht werden. Es ist für uns Fachkräfte schwer nachvollziehbar, wie weit die pädagogischen Standards und damit die Qualität der pädagogischen Arbeit heruntergeschraubt werden.

Deshalb werden wir, die Kitas und Familienzentren des Kirchenkreises Wolfsburg – Wittingen, protestieren!

Bitte unterstützen Sie unsere gemeinsamen Juli Donnerstags-Proteste.

Den gesamten Juli 2021 wird jeden Donnerstag in allen Einrichtungen zur gleichen Zeit für 5 Minuten mind. eine Fachkraft vor der Einrichtung stehen und mit Plakaten auf unsere Forderung aufmerksam machen. Wir laden Sie herzlich ein, sich mit dazu zu stellen und somit die Aktion zu unterstützen. Damit möglichst viele Eltern mit ihrer Teilnahme ein Zeichen setzen können, werden wir abwechselnd einmal vormittags, um 8.00 Uhr in der Bringphase und einmal nachmittags, um 15.30 Uhr in der Abholphase vor der Einrichtung Position beziehen.

Hier die genauen Daten und Uhrzeiten, damit Sie besser planen können:

Donnerstag, den 01. Juli um 8.00 Uhr

Donnerstag, den 08. Juli um 15.30 Uhr

Donnerstag, den 15. Juli um 8.00 Uhr

Donnerstag, den 22. Juli um 15.30Uhr

Donnerstag, den 29. Juli um 08.00 Uhr

Bitte beachten sie die Abstandsregeln.

Worum geht es uns genau?

1993 trat für Niedersachsen das erste Kitagesetz in Kraft. Es regelte die Standards der Betreuung von Kindern in der Kita. Seit Jahren warten Eltern, Trägerverbände und Fachkräfte auf ein Gesetz, was die heutigen und zukünftigen Anforderungen und Herausforderungen berücksichtigt. Was uns jetzt als Entwurf vorgelegt wurde ist absolut inakzeptabel.

Die Lebenswirklichkeit, die den Einrichtungen heute begegnet, ist eine ganz andere als noch vor 28 Jahren. Wir haben eine Vielfalt der Lebensformen von Familien, zunehmende Flexibilisierung in der Arbeitswelt, oft lange Anfahrtswege zur Arbeitsstätte, unterschiedliche kulturelle Wertvorstellungen die das Erziehungsverhalten von Eltern prägen. Das macht die Anforderungen an gute Betreuung und Bildung von Kindern und ihren Familien deutlich.

Die Ganztagsbetreuung ist heute die Regel. Kinder, die im Alter von 1 – 6 Jahren, bis zu 10 Stunden täglich in der Kita sind, brauchen für ihre Entwicklung eine bedürfnisgerechte Ausgestaltung von räumlichen und personellen guten Ressourcen. Und Sie als Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass es ihrem Kind bei uns an Leib und Seele gut geht.

Der neu vorgelegte Entwurf zeigt in keiner Weise eine verbesserte Qualität für den Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag, den die Kitas umzusetzen haben. Nichts von veränderten Anforderungen an das Fachpersonal durch die Lebenswirklichkeiten von Familien heute ist berücksichtigt worden. Alles bleibt, wie es war. Vergleichbar mit einem Auto, Telefon, Computer von 1993.  Wer kann das heute noch gebrauchen?  Wie soll das gehen, wenn für Fachkräfte die Vor- und Nachbereitungszeit nicht ausreicht um Entwicklungsgespräche mit Ihnen als Eltern zu führen, Bildungsdokumentationen zu erstellen, Förderpläne zu schreiben, Veranstaltungen vorzubereiten um nur einiges zu nennen.

Auch sollen demnächst „geeignete Personen“ ohne pädagogische Ausbildung als 2. Kraft in der Kindergruppe eingesetzt werden können. Das bedeutet eine Verschlechterung der fachlichen Qualität! Das kann keine Antwort auf den Fachkräftemangel sein.

Seit Jahren fordern wir einen verlässlichen Personalschlüssel anstelle von Projektstellen, die festgeschriebene 3. Kraft in der Krippe und die Reduzierung der Kinderzahl in den Gruppen. Eine Erhöhung der Verfügungszeiten für die Fachkräfte, in denen die pädagogische Arbeit mit Ihren Kindern reflektiert und den Bedürfnissen der Kinder entsprechend neu angepasst und  geplant werden kann. Eine gesetzlich gesicherte Finanzierung von Fachberatung und die Verankerung auf einen Rechtsanspruch auf integrative Plätze für Kinder mit Behinderung für Kita und Krippe, um eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen (entsprechend der UN-Behindertenkonvention, die seit 2009 in Kraft ist). All dies sieht das neue NKiTaG nicht vor, obwohl alle Trägerverbände diese Problematik seit Jahren dargestellt haben!

Die Wissenschaft hat schon seit langem bestätigt, dass kleinere Gruppen, gut ausgebildetes Personal und Räumlichkeiten, in denen alle Kinder ihren Bedürfnissen entsprechend leben können, zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen. Dies für Ihre Kinder zu erreichen, ist unser Ziel!

Als Grundlage dazu fordern wir eine zeitgemäße Neuausrichtung des NKiTaG!

Weitere Informationen (Termine, Links zu den Social-Media-Kanälen etc.) finden Sie hier: www.kirche-wolfsburg-wittingen.de/kitagesetz.

Danke für Ihre Unterstützung,

Im Namen der Einrichtungsleitungen, der Einrichtungsteams und des Trägers

Magdalena Siopis, Fachberaterin der evangelischen Kindertagesstätten in Wolfsburg